Abstiegssorgen als Dauergast

04 Juni 2020
Vom schleichenden sportlichen Niedergang handelt die siebte Episode der NWZ-Serie zum SV Göppingen, der sich 1985 aus der Oberliga verabschieden musste. Quelle: swp vom 28.05.2020 Autor: Andreas Böhringer

Angeführt von Rückkehrer und Spielertrainer Willi Hoffmann zählte der Göppinger Sportverein in den Anfangsjahren zu den Spitzenklubs der Oberliga Baden-Württemberg, doch der sportliche Glanz verblasste zunehmend. Nach den Platzierungen zwei, drei und sieben im Endklassement starteten die Rot-Schwarzen hoffnungsfroh in das Spieljahr 1981/82, denn bei den Neuzugängen tummelte sich mit dem Ex-VfB-Profi Buffy Ettmayer ein Name, der Qualität versprach. Doch auch der österreichische Nationalspieler konnte den Fehlstart nicht verhindern und wurde nach 3:11-Punkten zum Spielertrainer, als er Übungsleiter Heinz Schiller ablöste. Ettmayer führte die Rot-Schwarzen nunmehr auf und außerhalb des Feldes und leitete die sofortige Wende ein, wie 15:3-Zähler eindrucksvoll zeigen, was die Berichterstatter der NWZ zu wahren Lobeshymnen hinriss: „Ettmayer erschießt Aufsteiger“ oder „Überragender Spielertrainer Ettmayer“ durften die SV-Anhänger in der Zeitung lesen. Schlussendlich standen 30:38-Punkte auf dem Habenkonto, was mit Rang zwölf für einen Platz im hinteren Tabellenmittelfeld genügte. Wie in den Vorjahren zählte auch in dieser Spielzeit ein Freundschaftsspiel zu den Höhepunkten, als man am 19. Mai 1982 dem heutigen Ligakonkurrenten Stuttgarter Kickers (damals in der 2. Bundesliga mit Jürgen Klinsmann und Guido Buchwald) mit 0:5 unterlag. Der Bundesliga-Aufsteiger Darmstadt 98 trat zu einem Vorbereitungsspiel an und konnte sich vor 1500 Interessierten mit 3:0 durchsetzen.
Hoffnung auf eine Wende
Die SV-Verantwortlichen wollten sich zur Saison 1982/83 im Tableau wieder nach oben orientieren und konnte einige Verstärkungen an Land ziehen: Bernd Frick, der heutige VfB-Physiotherapeut Gerhard Wörn (beide vom SV Neckargerach) oder Peter Assion (VfB Stuttgart-Amateure) waren einige der Neuen, die die sportliche Qualität anheben sollten – und dieses Vorhaben glückte auch, wie die NWZ-Überschriften „Ein wahres Fußballfest“ zur 2:3-Niederlage vor 2500 Zuschauern gegen den SSV Ulm 1846 oder „Sportverein im Spielrausch“ zum 7:2 gegen den VfR Heilbronn dokumentieren. Eine Zäsur stellte schließlich der 20. Spieltag dar, denn es war der letzte Auftritt von Buffy Ettmayer im SV-Dress: der Spielertrainer wurde nach einer Tätlichkeit für vier Monate aus dem Verkehr gezogen, woraufhin sich die Rot-Schwarzen von ihm trennten und Libero Werner Heilemann übernahm. Am Ende reichte es zu einem 11. Rang, im WFV-Pokal-Finale gab es eine 1:3-Niederlage gegen den SSV Ulm 1846. Eine Konstellation, die auch 2020 möglich wäre, doch die weitere Austragung des aktuellen Pokalwettbewerbs steht zu Corona-Zeiten in den Sternen.
Der Abstieg
Auch in der Folgesaison lief es unterm Hohenstaufen nicht nach Wunsch und die rote Laterne war Ausdruck der großen Abstiegssorgen, die die Rot-Schwarzen plagten. Schon damals zog man in solchen Fällen (6:26 Punkte) die Reißleine und wechselte den Trainer in der Hoffnung, neue Besen mögen gut kehren: Für Werner Heilemann übernahm Fritz Millinger und zeichnete von der Seitenlinie aus verantwortlich für das „Fußballwunder an der Fils“. Unterstützung erfuhr er von einigen Neuzugängen, mitentscheidend für den Klassenerhalt war Rückkehrer Heinz Stickel, der wichtige Treffer erzielte und maßgeblich zum Sprung ans rettende Ufer mithalf. Dass Wunder nicht beliebig wiederholbar sind, musste der Sportverein bereits ein Jahr später schmerzhaft feststellen, denn 1984/85 gelang eine Wiederholung solch eines Kraftakts nicht mehr. Trotz eines ordentlichen Starts reichte die Qualität nicht aus und der Abstieg stand frühzeitig fest. Zum Derby gegen den SC Geislingen kamen nochmals 3000 Fans an die Hohenstaufenstraße und sahen, wie der spätere SV-Erfolgscoach Uli Haug beim 2:1 beide Treffer für den SC markierte. Nach 17 Jahren Zugehörigkeit zur höchsten Amateurklasse und zum 90-jährigen Bestehen musste der Traditionsklub den Gang in die Verbandsliga antreten.

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