Hessen-Bonus sorgt für Aufregung

04 Juni 2020
Mit Erstaunen nahm der SV Göppingen die Entscheidung der Regionalliga Südwest GbR auf, dem KSV Hessen Kassel das Aufstiegsrecht einzuräumen.

Der Tabellenführer nach Quotienten-Regel darf das Aufstiegsrecht wahrnehmen, es gibt keine Absteiger und Relegationsspiele finden nicht statt: das Ergebnis, das die drei Fußball-Verbände Baden, Südbaden und Württemberg auf Grundlage eines eingeholten Rechtsgutachtens ihren Vereinen präsentierte, war relativ eindeutig. Auch der Göppinger Sportverein, dem als Tabellenzweiter die Aufstiegschance über die Relegation verwehrt blieb, akzeptierte die Entscheidung ohne Murren. Doch nun hat sich die Ausgangslage schlagartig verändert und der Oberligist muss seinen Standpunkt überdenken, denn wie aus heiterem Himmel erreichte die Funktionsträger vergangene Woche eine Mitteilung der Regionalliga Südwest, wonach es nun neben den Erstplatzierten aus den Oberligen Baden-Württemberg (VfB Stuttgart II), Hessen (Eintracht Stadtallendorf) und Rheinland-Pfalz/Saar (TSV Schott Mainz) einen weiteren Aufsteiger geben wird: den KSV Hessen Kassel, der in der Oberliga Hessen den zweiten Rang einnimmt und in einem Quervergleich mit den Zweitplatzierten aus Baden-Württemberg (SV Göppingen) und Rheinland-Pfalz/Saar (FC Kaiserslautern II) den besten Punkte-Quotienten aufweist. „Wir wussten von gar nichts“, berichtet Ingo Miede, dass der Sportverein von dieser Entwicklung aus den Medien erfuhr und vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. „Uns wurde vom WFV klar kommuniziert, dass keine Relegation stattfindet und es damit keinen weiteren Aufsteiger gibt. Es ist aus unserer Sicht auch nicht nachvollziehbar, wie man die Quotientenregelung über Verbandsgrenzen hinweg anwenden kann. Innerhalb eines Verbandes kann ich es ja noch verstehen.“
Auf gut schwäbisch kann man ohne Umschweife konstatieren, dass diese Entscheidung „ein Gschmäckle“ hat, denn am Anfang der Entwicklung stand ein offener Brief von Hessen Kassel, in dem ein vierter Aufsteiger in die Regionalliga Südwest gefordert wird und eben die bei den Erstplatzierten angewendete Quotientenregelung vorgeschlagen wird – mit den Hessen als Profiteur. „Hessen Kassel ist ein ruhmreicher Traditionsklub mit vielen Fans und großer Strahlkraft, der für die Regionalliga sicherlich sehr lukrativ ist. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, könnte auf die Idee kommen, dass da ein direkter Zusammenhang besteht“, ist für Miede die Intention dieser Nacht-und-Nebel-Aktion offensichtlich. Doch nun regt sich Widerstand, der von der TuS Koblenz angeführt. Warum Koblenz? Kaiserslautern darf nicht aufsteigen, wodurch die TuS an einer möglichen Relegation hätte teilnehmen dürfen. „Koblenz hat sich bei uns gemeldet, dass sie diese willkürliche Entscheidung überprüfen lassen wollen und uns gefragt, ob wir uns dabei anschließen möchten. Wir haben uns dann vereinsintern beraten und dem Koblenzer Vorgehen zugestimmt“, beschreibt der SV-Spielleiter das Geschehen der letzten Tage. Am Wochenende fand nun eine Telefonkonferenz zwischen Koblenz (Miede: „Sie vertraten darin auch ausdrücklich unsere Interessen“) und der Regionalliga Südwest GbR statt, in der die Regionalliga erwartungsgemäß ihre Sicht der Dinge untermauerte: „Stand jetzt ändert sich an der Zusammensetzung der Regionalliga nichts, wobei die Argumentation etwas schwammig ist“, findet Miede und harrt der Dinge, die da noch kommen: „Wir sind mit der TuS in Kontakt. Mal schauen, was wir unternehmen.“
Der Beschluss der Regionalliga, nun doch Zweitplatzierten das Aufstiegsrecht einzuräumen, hat in Hessen bereits dazu geführt, dass weitere Zweitplatzierte von der Ober- bis zur Kreisliga nun ebenfalls an den Fußballverband herantreten wollen, um den Aufstieg am Grünen Tisch zu erwirken. Eine ähnliche Entwicklung ist für Miede nun auch in Württemberg möglich: „Wenn der WFV auch uns hoch lassen würde, dann könnte das analog auch hier kommen und die besten Zweiten von der Verbands- bis zur Kreisliga werden aufsteigen wollen.“ Doch dies würde der eigenen Rechtsauffassung widersprechen, denn auf der WFV-Homepage ist nachzulesen: „Platzierungen, die zur Teilnahme an Entscheidungs- und Relegationsspielen berechtigen, werden nicht ermittelt. Im Ergebnis bedeutet dies, dass ein Aufstieg über die Relegation, die aus rechtlichen Gründen sportlich nicht ausgetragen werden kann, nicht möglich ist.“
  • Autor: Quelle: swp vom 03.06.2020, Autor: Andreas Böhringer

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