Böses Erwachen aus schönem Traum

05 Oktober 2020
Trotz einer 2:0-Pausenführung und 80-minütiger Überzahl unterliegt der SV Göppingen nach schwacher Leistung beim Freiburger FC mit 2:3.
Die Oberliga-Fußballer vom Göppinger Sportverein benötigten nur vier Tage, um ihren Fans eine emotionale Achterbahnfahrt angedeihen zu lassen. Von Himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt hieß es für die rot-schwarzen Schlachtenbummler, die ihre Elf auch im Auswärtsspiel beim Freiburger FC zahlreich unterstützten. Brannte die Kicker beim 2:0 gegen die Stuttgarter Kickers noch ein spielerisches Feuerwerk auf dem Rasen ab, so pomadig präsentierten sie sich bei der unnötigen 2:3-Pleite beim einmaligen Deutschen Meister.
Im Tor erhielt Bojan Spasojevic eine Bewährungschance und feierte sein Debüt für die Göppinger, bei denen für den verletzten Sechser Tim Schraml (Knieprobleme) der zuletzt gesperrte Pavlos Osipidis zurückkehrte. Der Kapitän rückte auf seine angestammte Position im rechten Mittelfeld, Jannik Schramm wechselte auf die linke Seite, von wo Chris Loser in die Mittelfeld-Zentrale rückte. Doch auf dem kleinen und holprigen Rasen wurde Schraml während dieser kuriosen 90 Minuten schmerzlich vermisst, wie Gianni Coveli freimütig zugab: „Im Mittelfeld hatten wir keine Ordnung, ohne Tim fehlt uns Qualität. Wir können ihn nicht adäquat ersetzen.“ Neben Schraml mussten auch Jeffrey Idehen (ebenfalls Knie) und Mergim Neziri (Magen-Darm-Infekt) passen. Der Sportverein agierte in einer 3-5-2-Formation und erwischte eine Traumstart, als Lekaj im Sechzehner gefoult wurde und Kapitän Felix Dreher mit Rot vom Platz musste. Dicklhuber verwandelte sicher vom Punkt zum 0:1 (11.). Im Anschluss standen die Gastgeber, fortan in einem 4-4-1, sehr tief und bauten 30 Meter vor dem eigenen Gehäuse einen massierten Abwehrverbund auf. Der Sportverein hatte den Ball, doch das Spielgerät lief größtenteils in ungefährlichen Räumen durch die eigenen Reihen. Erst gegen Ende des ersten Durchgangs ergaben sich gute Tormöglichkeiten, nach einem Konter vergab Ziesche (43.), Schramm traf die Latte (45.). Im Anschluss an diese Aktion fiel dann doch das 0:2, als nach einem Eckball Filip Milisic das Leder aus zwölf Metern volley versenkte (45.+2).
Mit der beruhigenden Zwei-Tore-Führung und einem Mann mehr machten die Göppinger gedanklich wohl schon einen Haken hinter diese Begegnung und verbuchten die drei Zähler beim Abstiegskandidaten bereits auf der Habenseite, doch die Hausherren gaben sich nicht auf und wurden zum Toreschießen eingeladen, wie Coveli bemängelte: „Wir leisten uns zwei Ballverluste im Mittelfeld und laufen dann in zwei Konter, das darf nicht passieren.“ Nach den Treffern von Alexander Martinelli (50.), der nach einer Flanke ungedeckt einschieben durfte, und Adriano Spoth (61.) stand es plötzlich 2:2 – und dies nicht unverdient. Der Sportverein benötigte eine Viertelstunde, um sich von diesem Schock zu erholen. Die Vorstellung ließ weiterhin zu Wünschen übrig, doch das Angriffsspiel wurde zumindest wieder zielgerichteter, klare Tormöglichkeiten waren die Folge. Nach schöner Lekaj-Vorarbeit brachte Schramm das Kunststück fertig, aus zehn Metern über das leere Tor zu schießen (75.), Dicklhuber scheiterte an FFC-Keeper Zeller (79.). Auf der Gegenseite kombinierten sich die Freiburger schön durch, im Strafraum unterlief Milisic ein Handspiel. Den fälligen Strafstoß verwandelte Garcia Stein sicher zum vielumjubelten 3:2, das bis zum Abpfiff bestand hatte, da Zeller auch die letzte Chance von Dicklhuber zunichte machte (85.). „Wir haben vier, fünf Großchancen verdaddelt, die man einfach machen muss. Dann geht das hier 7:3 für uns aus“, haderte der Übungsleiter mit der Chancenverwertung. Aus SV-Sicht ist noch die Premiere des kürzlich verpflichteten Angreifers Luca Piljek erwähnenswert, der der Partie aber keine Wendung mehr geben konnte.
Freiburger FC: Zeller – Garcia Stein, Martinelli, Spoth (69. Bernauer), Fries (73. Preußler), Bohro (46. Moser), Mbem-Som, Amrhein, Dreher, Eggert (62. Anlicker), Polzer.
SV Göppingen: Spasojevic – Frenz (46. Nalbantis), Milisic, Ivezic, Schramm (86. Clauß), Loser (76. Piljek), Brück, Osipidis, Dicklhuber, Ziesche (66. Di Biccari), Lekaj.
Tore: 0:1 Dicklhuber (11./Foulelfmeter), 0:2 Milisic (45.+2), 1:2 Martinelli (50.), 2:2 Spoth (61.), 3:2 Garcia Stein (81./Handelfmeter).
SR: Marvin Maier (Offenburg). – Zuschauer: 400. – Rote Karte: Dreher (10./Notbremse).
SV Göppingen Personalien:
Tim Schraml setzte in Freiburg mit Knieproblemen aus und wird auch kommende Woche noch geschont. Das ohnehin bereits vorgeschädigte Knie bereitet dem 27-Jährigen seit geraumer Zeit Probleme. Schraml hofft, bis zur Winterpause durchhalten zu können. Auf einen längerfristigen Ausfall muss sich Gianni Coveli bei Linksaußen Jeffrey Idehen einstellen, der sich am Donnerstag ebenfalls am Knie verletzte. Der behandelnde Orthopäde geht davon aus, dass ein Band gerissen ist, endgültige Klarheit liefert aber erst eine MRT-Untersuchung am Montag. Nicht mehr für den Oberligisten auflaufen wird Domenico Botta. Der langjährige Sturmführer hatte in den letzten Jahren zwei schwerwiegende Verletzungen und fand nun nicht mehr den Anschluss an den Kader, weshalb er von Gianni Coveli signalisiert bekam, dass sich seine Einsatzzeiten in Grenzen halten würden. Nun orientiert sich der Routinier neu und einigte sich mit dem Sportverein auf eine Vertragsauflösung.
  • Autor: Quelle: swp vom 05.10.2020, Autor: Andreas Böhringer

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